StVO-Reform bringt mehr Sicherheit für Radfahrende

Nach vielen Wochen der Beratung hat der Bundesrat am Freitag endlich über die Reform der Straßenverkehrsordnung abgestimmt, mit der viele wichtige Verbesserungen für Radfahrerinnen und Radfahrer in Kraft treten werden. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen künftig beim Rechtsabbiegen innerorts Schrittgeschwindigkeit fahren, wenn mit Rad- und Fußverkehr zu rechnen ist, der die Straße überquert. Außerdem wird ein Grünpfeil für Radfahrende eingeführt, damit sie unabhängig vom Kraftfahrzeugverkehr rechts abbiegen können. Zudem wird der Sicherheitsabstand für das Überholen von Radfahrenden innerorts auf 1,5 Meter und außerorts auf 2 Meter festgeschrieben sowie ein generelles Halteverbot auf Radverkehrsschutzstreifen eingeführt.

Besonders freut mich, dass der Bundesrat zwei Regelungen verhindert hat, mit denen das Bundesverkehrsministerium die Rechte der Radfahrenden sogar beschnitten hätte, obwohl die schwarz-rote Koalition eigentlich das Gegenteil vereinbart hat. So ist das Parkverbot für Fahrräder am Straßenrand vom Tisch und es wird auch nicht erlaubt, dass Fahrzeuge mit mindestens drei Personen die Busspuren benutzen dürfen. Diese werden auch von Radfahrenden genutzt – mehr Verkehr auf diesen Fahrbahnen hätte zu größeren Gefahren für die ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen geführt.

Trotz der Verbesserungen, die der Bundesrat beschlossen hat, sehe ich aber noch weiteren Handlungsbedarf: Wir wollen, dass Kommunen künftig u.a. wesentlich leichter Tempo-30-Straßen anordnen können, ohne dass eine spezielle Gefahrenlage nachgewiesen werden muss. Auch die Innovationsklausel soll so geändert werden, dass neue Regeln oder Verkehrsmaßnahmen zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer unabhängig von bestehenden Gefahrenlagen getestet werden können. Dies haben wir im Januar gemeinsam im Bundestag beschlossen.

Die Regierungsfraktionen haben das Verkehrsministerium mit dem Entschließungsantrag (19/15779) außerdem aufgefordert, Modellprojekte in Städten durchzuführen, in denen getestet werden soll, wie es sich auf den Straßenverkehr auswirkt, wenn innerorts überall Tempo 30 km/h gilt und nur auf den Hauptverkehrsstraßen Tempo 50 erlaubt ist. Das wird uns wichtige Erkenntnisse für die künftige Geschwindigkeitsregelung in Kommunen geben. Der Wunsch, die Geschwindigkeitsregelung in Städten umzukehren, war auch von Kieler Bürgerinnen und Bürgern bei der Initiative Radverkehr verbessern geäußert worden, die ich im Herbst 2018 zusammen mit der SPD-Ratsfraktion in Kiel durchgeführt hatte. Die Forderungen aus dem Entschließungsantrag wird das Bundesverkehrsministerium nach eigenen Angaben in der nächsten Novelle der Straßenverkehrsordnung umsetzen, die noch in diesem Jahr beschlossen werden soll.

Grüne stimmen gegen Tempolimit 130!

Dass die Grünen bei anderen gern strengere Maßstäbe anlegen als an sich selbst, konnte man heute sehr gut im Bundesrat sehen. Nicht ein*e Politiker*in der grünen Partei, die in den Bundesländern zusammen mit der Union regiert, hat für das Tempolimit 130 km/h auf Autobahnen die Hand gehoben. Dabei gibt es sowohl Parteibeschlüsse als auch Fraktionsanträge der Grünen – die jüngsten stammen aus dem Herbst 2019 -, die genau dies fordern.

Aber wer erinnert sich nicht an den großen Aufschrei, als die Abgeordneten der SPD im vergangenen Herbst wegen des Koalitionsvertrages mit der CDU/CSU dem Tempo-130-Antrag der grünen Oppositionsfraktion im Bundestag nicht zustimmen konnten? Viele Politiker*innen von Bündnis 90/Die Grünen haben sich damals vor Empörung gar nicht wieder eingekriegt und ließen keine Gelegenheit aus, auf unseren Parteitagsbeschluss zu verweisen, in dem wir ebenfalls eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h auf Autobahnen fordern.

Heute halten wir fest: Die Grünen konnten sich weder in Baden-Württemberg noch in Hessen gegen die Blockadehaltung der CDU durchsetzen und haben gegen ihre eigenen Parteibeschlüsse gestimmt. Zeit für einen Aufschrei? Ich finde, nein. Weil eben alle Koalitionen für den Streitfall so ein Abstimmungsverhalten vereinbaren. In einer Koalition muss man Kompromisse machen und kann sich nicht zu hundert Prozent durchsetzen. Schön, dass das jetzt offenbar auch bei Bündnis 90/Die Grünen angekommen ist.

Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen wird es in Deutschland nur mit einem progressiven Bündnis mit der Linken, den Grünen und der SPD geben. Dafür ist es höchste Zeit!

Elektromobilität: Gute Nachrichten für Autokäufer*innen und die Stadt Kiel

Brüssel hat grünes Licht für den Umweltbonus gegeben. Damit können Käuferinnen und Käufer von Elektrofahrzeugen nun endlich auf den erhöhten Umweltbonus zugreifen, den die Bundesregierung Ende des vergangenen Jahres mit der Automobilindustrie vereinbart hatte. Die Prämie für E-Fahrzeuge bis 40.000 Euro wird somit von derzeit 4000 Euro auf 6000 Euro steigen. Für E-Autos der mittleren Preisklasse bis 60.000 Euro soll der Zuschuss künftig bei 5000 Euro liegen. Die neuen Fördersätze sind für alle Fahrzeuge anwendbar, die nach dem 4. November 2019 zugelassen wurden. Die angepasste Förderrichtlinie wird noch im Februar im Bundesanzeiger veröffentlicht und damit in Kraft treten.
Finanzielle Unterstützung gab es heute auch für die Stadt Kiel in Berlin. Im Bundesverkehrsministerium (BMVI) gab es Förderbescheide für die Elektrifizierung kommunaler Fahrzeug-Flotten zur Senkung der Stickstoffdioxidbelastung in Städten. Um die Akzeptanz und die Nutzung von Elektrofahrzeugen in Deutschland zu erhöhen, müssen wir Angebote schaffen und eine flächendeckende Ladeinfrastruktur gewährleisten. Ich freue mich daher sehr, dass in Kiel durch die Förderung im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft“ neue Kommunalfahrzeuge, zwei Plug-In-Hybrid-Fähren sowie 29 neue E-Busse angeschafft werden können und die zum Betrieb notwendige Ladeinfrastruktur anteilig finanziert wird. Mit der Landeshauptstadt Kiel, der Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel mbH-SFK sowie der KVG Kieler Verkehrsgesellschaft mbH haben in diesem Jahr gleich drei Antragsteller Fördermittel in Höhe von insgesamt 10,7 Millionen Euro erhalten, um den Ausbau der Elektromobilität in der Region Kiel voranzubringen.
Die Förderrichtlinie Elektromobilität und das Förderprogramm Ladeinfrastruktur sind Teil eines Maßnahmenpakets der Bundesregierung für bessere Luft in deutschen Städten. Ziel ist die Elektrifizierung des urbanen Verkehrs und die Errichtung von bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur. Bis Ende 2020 sollen mindestens 15.000 öffentlich zugängliche Ladestationen installiert werden. Auch die Beschaffung von Elektrofahrzeugen und die Erarbeitung von kommunalen Elektromobilitätskonzepten werden vom BMVI finanziell unterstützt. Insgesamt stehen dafür rund 400 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Heute konnte ich die Förderurkunden der erfolgreichen Antragsteller aus Schleswig-Holstein im Verkehrsministerium entgegennehmen.

Verkehrssicherheit fängt bei der Planung an!

Zu den gemeinsamen Forderungen von ADFC und BGL zur Verhinderung von LKW-Abbiegeunfällen sagt der zuständige Berichterstatter für Radverkehr der SPD-Bundestagsfraktion, der Kieler SPD-Bundestagsabgeordnete Mathias Stein:
„Die Forderungen von ADFC und BGL an die Kommunalpolitik und die Transportbranche sind richtig und wichtig: Die freiwillige Aus- und Nachrüstung von Lkw mit Abbiegeassistenten sind ein wichtiger Baustein für mehr Verkehrssicherheit. Wir brauchen außerdem mehr Rücksicht auf Radfahrende – auch, aber nicht nur im Straßenverkehr. Verkehrssicherheit fängt bereits bei der Planung und Gestaltung von Kreuzungen, Radwegen und Baustellenzugängen an. In den Kommunalverwaltungen muss künftig von vornherein mehr Aufmerksamkeit auf die Interessen der ungeschützten Verkehrsteilnehmer*innen gelenkt werden.
Auch auf der Bundesebene haben wir als SPD den Aspekt Verkehrssicherheit für Radfahrende gerade in den Blick genommen und gemeinsam mit unserem Koalitionspartner CDU/CSU das Bundesverkehrsministerium mit einem Entschließungsantrag zu Veränderungen der Straßenverkehrsordnung aufgefordert. U.a. soll das Ministerium dafür sorgen, dass geschützte Radfahrstreifen bei ausreichender Straßenbreite dort zu einer Regellösung werden, wo die Verkehrsführung des Radverkehrs auf einer sicheren Nebenstrecke aufgrund der örtlichen Bedingungen nicht möglich ist. Durch eine Veränderung der Innovationsklausel sollen Kommunen außerdem mehr Freiheit bekommen, Regeln oder Verkehrsmaßnahmen für mehr Verkehrssicherheit unabhängig von bestehenden Gefahrenlagen zu testen. Und wir wollen, dass „Vision Zero“ als Leitgedanke in die StVO aufgenommen wird, damit alle Verkehrsmaßnahmen und -regeln nach diesem Ziel ausgerichtet werden.“

Marschbahn in das Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz aufgenommen

Heute hat der Deutsche Bundestag das Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz beschlossen. In der Liste der Projekte, für die im Planungsverfahren Baurecht durch Gesetz geprüft werden soll, ist nun auch die Marschbahn enthalten. Das ist ein gutes Signal für Nordfriesland! Der Bund bekennt sich damit eindeutig und unmissverständlich zum Ausbau zwischen Niebüll und Westerland.

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Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz beschlossen: Das muss Kieler-Stadtbahn-Geld werden!

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: In Kiel wollen wir uns in zehn Jahren umweltfreundlich und bequem mit einer Stadtbahn fortbewegen. Daher kommen die zusätzlichen Bundesmittel genau zur rechten Zeit. Der Bund hat mit der Novelle des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes gezeigt, dass er seiner Verantwortung nachkommt und leistet einen wichtigen Beitrag für einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr in den Städten. Jetzt muss es darum gehen, dieses Geld vor Ort in Kiel auch abzurufen. Aus den Finanzhilfen vom Bund muss am Ende Kieler-Stadtbahn-Geld werden!

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Auswirkungen des geplanten Kohleausstiegs auf die Binnenschifffahrt berücksichtigen!

Der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland wird sich auf die Binnenschifffahrt spürbar auswirken. Davon bin ich überzeugt, genau wie der binnenschifffahrtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Eckhard Pols. Wir fordern, die Binnenschifffahrt in den Beratungen des Bundestages zum Regierungsentwurf für ein „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ zu berücksichtigen. Die Betriebswirtschaftlichkeit vieler Reedereien hängt an der Kohle. Deshalb stellt der Kohleausstieg das Binnenschifffahrtsgewerbe wie auch Binnenhäfen mit Kohleterminals vor große Herausforderungen. Bund und Länder müssen sich hier stärker als Partner des Gewerbes und der Häfen einbringens.

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Rolf Mützenich in Kiel

Gleich für zwei Tage hatte ich in dieser Woche Rolf Mützenich, meinen Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag, zu Gast an der Förde. Am Montagabend diskutierten wir im mmhio mit 70 Interessierten von inner- und außerhalb der SPD Kiel unter dem Motto „Was bringt die zweite Halbzeit im Bundestag?“ von Arbeit und Rente bis Marineschiffen und internationaler Verantwortung. Rolf stellt klar: Europäische Einigung und Zusammenarbeit in der Welt sind unverzichtbar für andauernden Frieden und Wohlstand in unserem Land! Auch mein Fachgebiet Planung kam zur Sprache und ich bin überzeugt: Die Energiewende und große Infrastrukturmaßnahmen müssen von Beginn an mit Beteiligung vor Ort geplant werden!

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Initiative von Mathias Stein erfolgreich: Bundestag beschließt mehr Schutz für Radfahrende

Auf meine Initiative hat der Deutsche Bundestag heute die Bundesregierung mit dem Entschließungsantrag „Sicherer Radverkehr für Vision Zero im Straßenverkehr“ dazu aufgefordert, Veränderungen an der Straßenverkehrsordnung vorzunehmen. Mit diesen Änderungen soll der Schutz der Radfahrerinnen und Radfahrer verbessert und die Attraktivität des Radverkehrs erhöht werden: Kommunen sollen künftig u.a. wesentlich leichter Tempo-30-Straßen anordnen können, ohne dass eine spezielle Gefahrenlage nachgewiesen werden muss. Auch die Innovationsklausel soll so geändert werden, dass neue Regeln oder Verkehrsmaßnahmen zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer unabhängig von bestehenden Gefahrenlagen getestet werden können.

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Öffentliche Anhörung zur Planungsbeschleunigung: Mehr Akzeptanz durch mehr Beteiligung

Zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Maßnahmengesetze ist frühe, echte und gute Bürgerbeteiligung. Darin waren sich die Sachverständigen heute einig. Frühe Beteiligung beginnt deutlich vor der Vorlage fertig ausgearbeiteter Planungsunterlagen und vor dem formellen Beteiligungsverfahren. Echte Beteiligung geht über die reine Information der Betroffenen hinaus und ermöglicht eine inhaltliche Diskussion und Konsensfindung. Gute Beteiligung bedeutet auch, dass während der gesamten Planungsphase weiter Partizipationsmöglichkeiten gegeben sind und dass am Ende ersichtlich ist, welchen Unterschied die Beteiligung gemacht hat. Entsprechend brauchen wir klare Standards für Bürgerbeteiligung im Gesetzentwurf.

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